Emmerich

Das Ein-Mann-U-Boot Biber

Das Exemplar des deutsche Kleinst-U-Bootes vom Typ „Biber“, das sich im Rheinmuseum Emmerich befindet, ist eines von ursprünglich fünfen. Sie waren noch im Spätherbst 1944 an den Rhein transportiert worden. Von hier aus sollten die U-Boote gegen die Straßenbrücke in Nimwegen eingesetzt werden. Die Brücke war im September 1944 unzerstört in die Hände der Alliierten gefallen. Der Plan scheiterte, als die U-Boot-Fahrer sich in Abwehr-Netzen verfingen. Sie mussten die Boote fluten und zurücklassen.

1944 wurden insgesamt 374 U-Boote dieses Typs produziert. Einzelne Bauteile wurden mit Hilfe von Zwangs- und Sklavenarbeitern hergestellt. „Biber“ wurden vor allem an der französischen Küste, im Ärmelkanal und im Nordmeer eingesetzt. Sie hatten viele technische Probleme. Die Fahrer konnten sich schlecht orientieren und sobald sie ihre Torpedos abfeuerten, wurden sie durch den Auftrieb an die Oberfläche gedrückt. Klein-U-Boote wurden von Freiwilligen gefahren. 60 bis 70 % der Fahrer starben.

Dieses Boot wurde allerdings im Rhein verlassen aufgefunden – fast 15 Jahre nach dem Ende des Krieges geriet es in die Trosse eines niederländischen Schleppers.

Das ist das U-Boot Biber

Im Hof des Rheinmuseums in Emmerich lagern Anker, Bojen und andere Gegenstände, die aus dem Rhein geborgen wurden. Auffallend ist ein grau gestrichenes Wasserfahrzeug. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich um ein U-Boot handelt, wenn auch eines in Mini-Format. Ein Schild nennt Typ und Namen: KHD 210, Klein-U-Boot – Typ „Biber“. Es wurde tatsächlich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von Emmerich aus gegen die Alliierten eingesetzt.

Die Idee eines Klein-U-Bootes hatten die Deutschen von den Engländern übernommen. Ein britisches Beute-Boot diente als Vorlage für die Entwicklung eines eigenen Modells. Im Mai 1944 wurden die ersten Exemplare ausgeliefert. Insgesamt wurden immerhin 324 Stück gebaut – zum Teil von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen.

Die „Biber“ waren neun Meter lang und hatten bewaffnet eine Wasserverdrängung von etwas über sechs Tonnen. Angetrieben wurden sie von einem 32 PS Opel-Blitz Benzinmotor bzw. für die Tauchfahrt von einem 13 PS starken Elektromotor. Die Boote hatten eine Tauchtiefe etwa 20 m und erreichten eine Geschwindigkeit von 6,5 Knoten über und 5,3 Knoten unter Wasser. Bewaffnet waren sie mit zwei Torpedos.

„Biber“ wurden gegen alliierte Schiffe vor der französischen Küste und im Ärmelkanal eingesetzt. Sie waren aber nicht sonderlich erfolgreich. Neben verschiedenen technischen Schwierigkeiten war das Hauptproblem, dass die Boote nur mit einem Fahrer besetzt waren. In brenzligen Situationen war dieser fast automatisch überfordert. Die Biberfahrer waren in der Regel Freiwillige. 60 bis 70 % von ihnen kamen bei den Einsätzen und Übungsfahrten ums Leben.

Vom Podest vor dem Museumsexemplar kann man in das U-Boot hineinsehen. Schon am helllichten Tag mag man sich nicht durch die enge Luke quetschen. Wie wird sich der U-Boot-Fahrer erst bei Nacht unter Wasser und möglicherweise unter Beschuss gefühlt haben?


Mit dem „Biber“-Exemplar in Emmerich hat es nun folgende Bewandtnis:

Es gab in Emmerich 1944 eine Marineeinheit und U-Boote. Mit ihrer Hilfe sollte die Straßenbrücke bei Nimwegen zerstört werden. Ursprünglich hatte es dort zwei Brücken gegeben. Beide waren im September 1944 von den Alliierten erobert worden. Für die Deutschen war es sehr wichtig, diese Verbindung zu kappen. Ein erster Versuch, die Brücken bei Nimwegen durch Militärtaucher mit Hilfe von Minen zu sprengen, war nur teilweise erfolgreich: Die Eisenbahnbrücke wurde zerstört, die Straßenbrücke blieb stehen. Für einen zweiten Versuch wollte man nun U-Boote verwenden.

Zehn Exemplare des Modells „Biber“ sollten von einer Werft in Lübeck nach Emmerich gebracht werden. Wegen alliierter Luftangriffe kamen schließlich nur fünf an. Sie wurden im Hüthumer Busch im Norden von Emmerich und in einem alten Zollschuppen versteckt.

Ein erster Einsatz wurde für den Dezember 1944 geplant. Er war gefährlich, denn nach der Sprengaktion der Taucher war die Brücke durch Scheinwerfer, Maschinengewehre und Stahlnetze gegen eventuelle Angriffe geschützt worden. Bei dem Einsatz wurden Teile der Netzsperre vor der Brücke zerstört. Ein weiterer Vorstoß in der darauf folgenden Nacht verlief verhängnisvoll. Die „Biber“ liefen in die Fangnetze. Die U-Boot-Fahrer verließen daraufhin die Boote, die sie zuvor geflutet hatten.

Das Boot, das Sie hier sehen. wurde fast 15 Jahre nach dem Kriegsende, im Juni 1958, gefunden. Auf der Höhe der Emmericher Oelwerke verfing sich etwas Schweres in der Trosse eines niederländischen Schleppers. Mit einiger Mühe gelang es, den Gegenstand zu bergen. Überrascht stellte man fest: Es war eines der Klein-U-Boote, die 1944 verloren gegangen waren. Ausrüstung und Einrichtung waren noch vorhanden, nur die Torpedos fehlten.

Der „Biber“ wurde restauriert, bekam Torpedo-Attrappen und wurde in der Moritz-von-Nassau-Kaserne aufgestellt. Auf seinen heutigen Standort wurde er im Jahre 2000 gebracht, als der Museumsgarten des Rheinmuseums eröffnet wurde.


Sprecher: Wolfgang Reinke
Autor: Burkhard Ostrowski

Rheinmuseum Emmerich
Sonntag bis Mittwoch von 10:00 bis 12:30 Uhr

Donnerstag von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr
Freitag von 10:00 bis 12:30 Uhr
Gruppen nach Vereinbarung!
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln:Im Bahnhof Emmerich am Rhein enden alle Regionalzüge aus Richtung Duisburg und Oberhausen. Eine Zugverbindung in die Niederlange gibt es nicht. Vom Bahnhof auf sind es rund 15 Minuten Fußweg.
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