Werner und Heinz Samuel
Klever Strasse 49

Stolperstein-Geschichten in Krefeld

Das Schicksal der Brüder Samuel

Werner (geb. 26.04.1918) und Heinz (geb. 13.03.1920) Samuel wohnten zuletzt mit ihren beiden Schwestern Hilde (01.12.1911) und Helga (geb. 18.04.1929) sowie ihren Eltern Meinhard und Paula Samuel (geb. Gerson) in der Klever Straße 49 (ehemals Mörsische Straße 83). Meinhard besaß eine eigene Metzgerei auf der Klever Straße 31. Nach dem sogenannten „Judenboykott“ am 1. April 1933 wurde die Metzgerei jedoch zunehmend gemieden. Wegen der so entstehenden finanziellen Schwierigkeiten, musste die Familie ihr Geschäft vier Jahre später verkaufen.

Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten litten die Kinder der jüdischen Familie unter Übergriffen von HJ-Angehörigen. Werner und Heinz mussten ihren Radsportverein verlassen, gingen dafür jedoch in die Sportabteilung des Krefelder RjF (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten), um dort – in der Hoffnung sich zukünftig besser verteidigen zu können – Boxen zu lernen. Der Boxsport wurde zu einem zentralen Bestandteil ihres Lebens, der sie laut eigenen Aussagen mehr als einmal vor dem Tod bewahrte.
Während Heinz eine Lehre zum Installateur machte, begann Werner nach seiner schulischen Ausbildung 1934 als Lehrling im Schuhhaus Hirsch (später Grüterich), welches ihn im Zuge der „Arisierung“ des Betriebes wieder entließ. Dennoch konnte er eine neue Stelle finden, als Zuschneider in einer Krawattenfabrik.
In Folge des Novemberpogroms 1938 wurden Werner, Heinz und Meinhard zunächst in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und anschließend für drei Monate in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Aufgrund der Angabe nach Trinidad auswandern zu wollen, wurden sie schließlich wieder entlassen. Die Verhängung eines Einwanderungsstopps sorgte jedoch dafür, dass die Familie, mit Ausnahme von Hilde, der am 28. April 1939 die Emigration nach London gelang, nicht emigrieren konnte.

Am 11. Dezember 1941 deportierten die Nationalsozialisten Werner, Heinz, Helga, Meinhard und Paula in das Ghetto Riga. Während Werner und Heinz bereits am 22. Dezember 1941 für acht Monate zu einem Arbeitskommando in das erweiterte Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager Salaspils geschickt worden waren, verstarb Meinhard am 31. Januar 1942 im Ghetto an Entkräftung.
Weil man bei einer Durchsuchung Geld bei Werner fand, wurde er im Rahmen der Zwangsarbeit in Salaspils zum Tod durch Erhängen verurteilt. Dass die Ermordung im letzten Moment verhindert wurde, lag vermutlich daran, dass die Lagerleitung Gefallen an dem Boxsport-Hintergrund der beiden Brüder fand und sie zum eigenen Vergnügen gelegentlich gegen auswählte Gegner boxen ließ.
Im Juli 1942 kehrten sie zurück in das Ghetto, wobei sie erstmals vom Tod ihres Vaters erfuhren.

Die Steine wurden gestiftet durch die Beziksvertretung Hüls.