Blechernes Werbeschild verschiedener NSDAP-Presseorgane

Geschichte in Objekten

Laut Propagandaminister Joseph Goebbels hatte die deutsche Presse „in der Hand der Regierung sozusagen ein Klavier“ darzustellen. Um dies zu bewerkstelligen, wandte das NS-Regime verschiedene Methoden an. Da durch die „Reichstagsbrandverordnung“ bereits im Februar 1933 die Pressefreiheit aufgehoben war, konnten eindeutig oppositionelle Zeitungen und Magazine verboten werden. Noch im Oktober desselben Jahres wurde dann mit dem Schriftleitergesetz die restliche Unabhängigkeit der Journalist*innen abgeschafft. Um eine Berufserlaubnis zu erhalten, mussten diese nun von der Reichspressekammer akkreditiert werden.

Dies war nur nach Ausbildung und Prüfung möglich, im Anschluss befanden sie sich in einem ähnlichen Dienstverhältnis wie nach einer Verbeamtung. Sie waren per Gesetz verpflichtet, nichts zu veröffentlichen, was u.a. „die Kraft des Deutschen Reiches […], den Gemeinschaftswillen des deutschen Volkes, die deutsche Wehrhaftigkeit, Kultur oder Wirtschaft zu schwächen“ vermochte. Analog zur Verbeamtung musste auch ein „Ariernachweis“ zur Zulassung vorgelegt werden. Nicht auf der Berufsliste der Pressekammer zu stehen war im Umkehrschluss ein faktisches Berufsverbot. Im Gegenzug waren einmal akkreditierte „Schriftleiter“ faktisch unkündbar, solange sie sich regimetreu zeigten.

Inhalte der verschiedenen Presseorgane wurden auf Pressekonferenzen vorgegeben, wie etwa im November 1938: „Noch einmal wird an die Judenfrage erinnert, wie dies jetzt täglich geschehen wird. Das Thema darf nicht wieder fallengelassen werden, ehe die Frage nicht endgültig geregelt ist.“

Als „Reichsleiter für die Presse“ und Präsident der Reichspressekammer wurde Max Amann zum mächtigsten Mann der deutschen Presselandschaft. Unter seiner Führung kaufte der Franz-Eher-Verlag, der Zentralverlag der NSDAP, systematisch seine Konkurrenz auf. Die Ressourcenknappheit im Krieg beschleunigte das deutsche Pressesterben noch weiter, bis am Kriegsende nur noch 977 Zeitungen erschienen, von denen 352 direkt der NSDAP gehörten. 1932 waren es noch 4703.

Hier finden Sie den Ausstellungstext „NSDAP-Presseorgane“.

Kriegsbücherei der deutschen Jugend, jugendorientierte Kurzgeschichten über Kriegseinsätze

Geschichte in Objekten

Bis 2013 konnte man im Bahnhofskiosk die Landser-Heftromane finden. In diesen wurden fiktive Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt, meist aus der Sicht des titelgebenden „Landsers“, also des typischen „einfachen Soldaten“ Deutschlands oder eines seiner Verbündeten. Der Fokus lag hierbei auf der Zurschaustellung des Mutes, Geschickes und der Ritterlichkeit dieser deutschen Soldaten im Kampf gegen den oft bloß als „Iwan“ bezeichneten Feind. Der deutsche Vernichtungskrieg wird hier zum harmlosen, gar romantischen Abenteuer.

Ein Vorbild des Landser hieß Kriegsbücherei der deutschen Jugend, erschien 1939-45 „im Auftrage“ der Reichsjugendführung unter Baldur von Schirach sowie unterstützt von der Wehrmachtführung. Da die Hefte offenkundig an Jugendliche gerichtet waren, kosteten sie mit 20Rpf. ungefähr so viel wie reguläre Illustrierte. Frühe Ausgaben der 32-Seitigen Hefte warben mit dem Versprechen eines wöchentlichen, regelmäßigen Erscheinens, jedoch wurden bis Kriegsende bloß 156 Ausgaben veröffentlicht. Anders als der Landser behandelte die Kriegsbücherei echte, spezifische Kampfgeschehen. Der Fokus lag auch gerade abseits des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion, sondern in den westlichen Kriegsschauplätzen. Außerdem ging es oft um technisch involvierte Bereiche wie den See- und Luftkrieg. Geschrieben wurden die Texte von Kriegsberichterstattern, viele von ihnen veröffentlichten auch nach Kriegsende ähnliche sprichwörtliche „Landserromane“. Der wohl bekannteste Autor war der spätere Stern-Gründer Henri Nannen, der in der Kriegszeit in Wehrmacht und Waffen-SS als Berichterstatter diente.

Die letzte Seite des Heftes ist als direkter Aufruf an die Lesenden gestaltet. Bei einer Ausgabe über eine Flak-Mannschaft etwa eine Art Werbung für die Flakabteilung der Luftwaffe. Schließlich würden die Jugendlichen bald selbst gemustert und in den Dienst gestellt werden.

Hier finden Sie den Ausstellungstext „Kriegsbücherei der deutschen Jugend“.

Von der Wehrmacht ausgegebene Zeitschrift „Die Wehrmacht", Ausgaben zum Krieg gegen Frankreich

Geschichte in Objekten

Seit der Jahrhundertwende spielten neben den Tageszeitungen die Illustrierten eine gewichtige Rolle in der deutschen Presselandschaft. Sie boten einem breiten Publikum die Möglichkeit, Bilder aus aller Welt und von wichtigen Ereignissen zu sehen. Dies machte sie auch für die NS-Regierung zu einem wichtigen propagandistischen Standbein.

Eine ineffektive deutsche Propaganda wurde in militärischen Kreisen zu den Gründen für die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg gezählt. Um solche Fehler im zukünftigen Krieg zu vermeiden, wurde bereits in den Anfangsjahren des NS-Regimes in den leitenden Stellen der Kriegs- und Propagandaministerien beraten, welche Lektionen für zukünftige Kriege zu ziehen seien. Kurz nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht gründete das Kriegsministerium die Illustrierte Die Wehrmacht. Sie unterstand nach der Gründung des Oberkommandos der Wehrmacht dessen Abteilung/Amtsgruppe für Wehrmachtpropaganda und stützte sich auf Bilder und Berichte der Propagandakompanien in der Truppe. Zwischen November 1936 und August 1944 erschien sie 278-mal, darunter 5 Sonderausgaben zu wichtigen Ereignissen wie der Annexion Österreichs 1938 und dem Sieg über Frankreich 1940. Die Seitenzahl schwankte zwischen 20-32, bis sie ab Oktober 1941 auf 16 und ab Juni 1942 auf 12 verkürzt wurde.

Die Zeitschrift richtete sich vor allem an Soldaten sowie junge Männer mit einer Affinität für Militärisches und Technik. Mit einem Preis von 25Rpf. kostete sie etwas mehr als die großen allgemeinen Illustrierten der Zeit (etwa 20Rpf.), blieb jedoch erschwinglich. Im Heft wurden schriftliche Leitartikel und Fortsetzungsromane geboten, vor allem mit Ausbruch des Krieges lag der Fokus aber auf der Bildreportage. Hier sollte mithilfe von Karten, Untertiteln, Pfeilen und Symbolen unterhalten und informiert werden.

In seiner Dissertation „Die Wehrmacht“. Die offizielle illustrierte Propagandazeitschrift der deutschen Wehrmacht für das In- und Ausland (1936-1944) (Flensburg 2017) definiert der Historiker João Franzolin drei Phasen im Leben der Zeitschrift und beschreibt ihre Kerninhalte so:

1. Vorkriegszeit: Propagierung militärischer Tugenden wie Kameradschaft, Erklärung moderner Kriegstechnik und Erwecken von Verständnis für die Aufrüstung

2. Zeit der Erfolge bis 1942: Zurschaustellung deutscher Macht, Feiern deutscher Siege, Betonung des Zusammenhalts mit den Verbündeten, Verächtlichmachung der (machtlosen) Gegner

Hier finden Sie den Ausstellungstext „Zeitschrift Die Wehrmacht“.