"Die Kommissare"

Sonderausstellung mit der Polizei eröffnet

„Die Kommissare“ ist eröffnet! Die Sonderausstellung der Kolleg:innen der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf ist ab jetzt bis zum 23.1.2022 zu sehen. Ein tiefer und spannender Einblick in die Arbeit der Kriminalpolizei von 1920-1950 und vor allem deren Involvierung in die NS-Verfolgung und deren Verbrechen.
Wir danken Dr. Gabriele König, Kuratorin Hildegard Jakobs und Polizeipräsidentin Christine Frücht für die engagierten und beeindruckenden Wortbeiträge bei der Eröffnungsveranstaltung. Wir freuen uns besonders, dass Frau Frücht uns Ihren Text zur Verfügung gestellt hat, den Sie weiter unten auf dieser Seite lesen können.  Und nun freuen wir uns auf zahlreiche Besucher:innen:
Immer mittwochs von 9-14 Uhr, donnerstags von 14-19 Uhr und sonntags von 13-17 Uhr.
Einzeltermine für Gruppen möglich, Buchung über: ns-doku@krefeld.de.
Öffentliche Führungen am 17.11.21/18:00 Uhr, 11.12.21/15 Uhr und 10.1.2022/19:00 Uhr

Rede von Polizeipräsidentin Christine Frücht zur Eröffenung der Ausstellung:

Sehr geehrte Frau Jakobs, sehr geehrte Frau Franz, sehr geehrte Frau Dr. König, sehr geehrte Damen und Herren,

als ich mich auf diesen Abend und diese Rede vorbereitet habe, sind mit tausend Gedanken durch den Kopf gegangen, und ich habe mich sehr schwer damit getan, sie in Worte zu fassen.

Ich stehe hier als Mensch, der fassungslos ist, wie geplant und systematisch Menschen im Namen des Staates grauenhafte Taten begehen konnten und ich stehe hier als Vertreterin der Krefelder Polizei mit dem Wissen, dass der Polizeiapparat damals fester Bestandteil dieses Systems war, und zwar nicht nur die uniformierten Kräfte, sondern auch die Kriminalpolizei.

Aufgabe der Kriminalpolizei ist es, Kriminalität zu bekämpfen und zu verhindern, damals wie heute. Allerdings erzählt diese Ausstellung von Zeiten, in denen Kriminalpolizei etwas völlig anderes getan hat. Als sie nicht mehr für Recht stand, sondern für Unrecht. Als sie nicht mehr verlässlich war, sondern unberechenbar.

Die Aufgabe der Kriminalpolizei ist es, Täter zu ermitteln – stattdessen hat sie Unschuldige zu vermeintlichen Tätern gemacht – und wurde selbst Täter. Was ist das für ein Alptraum: – eine Polizei, die keinen Schutz mehr bietet, sondern selbst eine Bedrohung ist – eine Polizei, bei der ich, wenn ich ihre Räume betrete, um mein Leben fürchten muss, weil es plötzlich nicht mehr um die Sache geht, sondern darum, dass ich jüdisch bin oder kommunistisch oder homosexuell – eine Polizei, deren Präsidium ich als Opfer einer Straftat betrete und als angeblicher Täter wieder verlasse: ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager -eine Kriminalpolizei, bei der ich Todesangst bekomme, wenn ihre Beamten an meiner Tür klingeln.

All dies mag ich mir eigentlich gar nicht vorstellen, allerdings ist genau das nötig.
Die Kriminalpolizei gibt es nach wie vor – und um uns unmissverständlich von dem distanzieren zu können, was auch einmal „Kriminalpolizei“ genannt wurde; um einen deutlichen Bruch kennzeichnen zu können mit allem, was menschenverachtend und demokratiefeindlich war; müssen wir uns erinnern und damit auseinandersetzen, was damals geschehen ist.

Die Vergangenheit zeigt uns, dass gerade eine Institution, die über besondere Eingriffsbefugnisse verfügt, auch Gefahr laufen kann, ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden und ihre Macht zu missbrauchen. Es wäre einfach zu behaupten, dass das damals eben andere Zeiten waren, mit völlig anderen Rahmenbedingungen, und dass so etwas heute einfach nicht mehr möglich wäre.

Allerdings sind extremistisches, antisemitisches oder überhaupt menschen- und demokratiefeindliches Denken und Handeln ja nicht aus unserer Gesellschaft verschwunden. All dies ist noch da.

Auch aus den Reihen der nordrhein-westfälischen Polizei wurden Fälle von rechtsextremem Denken bekannt – und dass sie bekannt und auch öffentlich wurden, ist gut so. Denn nur was wir kennen und klar benennen, können wir auch bekämpfen. In unseren Reihen darf es keinen Platz für Extremismus geben. Sollten wir solche Tendenzen erkennen, müssen wir ihnen mit großer Konsequenz entgegentreten, damit Krefelds Bürgerinnen und Bürger darauf vertrauen können, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt – unabhängig davon, welcher politischen, religiösen und sexuellen Ausrichtung sie sind.

Und hier schließt sich für mich der Kreis, und ich komme zurück auf den Anlass des heutigen Abends.

Diese Ausstellung zeigt uns, welche Abgründe sich auftun, wenn Menschen die Unterwanderung freiheitlich-demokratischer Werte hinnehmen und zu bereitwilligen Akteuren einer Schreckensherrschaft werden.

Hier hilft uns diese Ausstellung, uns zu erinnern, und zwingt uns, dass wir uns schonungslos offen mit diesem Thema auseinandersetzen.

Das ist nötig, damit wir, die Krefelder Polizei und die Krefelder Bürgerinnen und Bürger, sensibel bleiben und die Rolle der Polizei sowie polizeiliches Handeln permanent hinterfragen und mit den Werten abgleichen können, auf die wir einen Eid geschworen haben.

Ich bin froh, dass ich in einer Zeit lebe, in der eine solch kritische Auseinandersetzung möglich ist, und ich bin sehr dankbar dafür, dass es so viele engagierte Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, dass diese Erinnerungen lebendig bleiben – so wie in dieser Ausstellung.

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