Der Villa Merländer Verein

Weil Geschichte eine Stimme braucht

Seit dem 10. März 1992 unterstützt der Villa Merländer Verein das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Krefeld. Grundsätzlich ist die Förderung von Aktivitäten zur mahnenden Erinnerung an die NS-Zeit in Krefeld und am Niederrhein das Ziel des Vereins. Das erreicht der Verein nicht nur durch die Förderung der NS-Dokumentationsstelle Krefeld, sondern auch durch den Erhalt des Denkmals an der Friedrich-Ebert-Straße 42 einschließlich der zum Hause gehörenden Wandgemälde des Künstlers Heinrich Campendonk, die in der NS-Zeit als „entartet“ galten. Der Villa Merländer Verein beteiligt sich außerdem an der finanziellen Förderung der wissenschaftlichen Erforschung und Aufarbeitung der NS-Zeit am Niederrhein sowie an der Förderung einer kritischen Erziehung und Bildung zur Geschichte der NS-Zeit.

Der Villa Merländer Verein blickt inzwischen auf eine fast 30-jährige Vereinsgeschichte zurück. Mehr als 300 Mitglieder engagieren sich mit ihrer Mitgliedschaft gegen das Vergessen in der Seidenstadt.

Entstehung und Selbverständnis

Nach langen Debatten um das Wo und Wie eines Gedenkortes, an dem der Opfer der NS-Diktatur aber auch des Widerstands dagegen erinnert werden sollte, wurde am 24. November 1991 die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, damals noch NS-Dokumentations- und Begegnungszentrum, in der Friedrich-Ebert-Straße 42 eröffnet.

Entscheidend für die Ortswahl war die Doppelgeschichte des Hauses: Einerseits enthielt es die einzigen erhaltenen Wandbilder des von den Nazis verfemten Künstlers Heinrich Campendonk, andererseits war es einst das Wohnhaus des von den Nazis ermordeten, als jüdisch verfolgten Richard Merländer. Obwohl eine grundsätzliche Übereinstimmung zwischen allen Parteien über die Notwendigkeit bestand, einen städtischen Gedenkort einzurichten, gab es um die Institution in der am Ende beschlossenen Form doch harte politische Kontroversen. Auch die Eingliederung der Dokumentationsstelle in die Räume des Stadtarchivs wurde seinerzeit als Alternative intensiv diskutiert. Die nach endgültigem Beschluss anfänglich sowohl personell als auch finanziell geringe Ausstattung der Dokumentationsstelle ließ deshalb schon sehr früh bei führenden Persönlichkeiten in Krefeld Überlegungen entstehen, einen Förderverein zu gründen, der die Dokumentations- und Aufklärungsarbeit in der Villa Merländer mit Rat und Tat unterstützen sollte.

Vereinsgründung nur wenige Monate nach der Eröffnung der NS-Dokumentationsstelle
Am 14.03.1992 erfolgte dann auch die Vereinsgründung. Neben der zentralen Aufgabe, die Arbeit der Dokumentationsstelle zu unterstützen, war es immer auch ein wesentliches Anliegen des Vereins, in seinen Gremien und Strukturen bürgerschaftliches Engagement über Parteigrenzen hinweg abzubilden. So sollten insbesondere im Vorstand Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Gewerkschaften und Verwaltung vertreten sein. Zur ersten Vorsitzenden wurde von den Gründungsmitgliedern die damalige Bürgermeisterin Rita Thies (Bündnis90/    Die Grünen) gewählt, stellvertretende Vorsitzende wurde Ratsfrau Gerda Schnell (SPD). Ebenfalls in den Vorstand gewählt wurden der Leiter des Stadtarchivs, Paul Günter Schulte, und der Mediziner Dr.Stefan tho Pesch. Auch zu den Gründungs- und Vorstandsmitgliedern gehörte Rudolf Pilger, der heute gemeinsam mit Wilma und Herbert Campendonk, Aurel Billstein, Dr. Eugen Gerritz, Götz Waninger, Gerda Schnell und Annemarie Vössing zu den Ehrenmitgliedern des Vereins zählt.

Gründung des Kuratoriums
Um den Gedanken einer bürgerschaftlichen Verankerung des Vereins noch weiter zu unterstützen, kam es in der Folge zur Gründung eines Kuratoriums, in dem führende Vertreterinnen und Vertreter der Krefelder Stadtgesellschaft ihr Engagement bekundeten.

Diese Vorsitzenden prägten den Verein
Die erste Vereinsvorsitzende Rita Thies wurde 1999 durch den Ratsherrn und kulturpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dr. Eugen Gerritz abgelöst, unter dessen Ägide u.a. der „Merländer-Brief“ entstand, ein Informationsbrief, mit dem die Aktivitäten des Vereins in die Bürgerschaft kommuniziert wurden und der bis heute ein wichtiges Medium der Vereinsarbeit ist. Als Dr. Gerritz 2005 den Vorsitz niederlegte, hatte der Verein schon 180 Mitglieder. Diese positive Entwicklung setzte sich auch unter seinen Nachfolgerinnen fort. Von 2005 bis 2014 führte die langjährige Bürgermeisterin Mechthild Staudenmeier den Verein, ihr folgte bis 2020 die Ratsfrau Barbara Behr, die ihrerseits wichtige Akzente in der Vereinsarbeit setzten. Im August 2020 ging der Vorsitz dann auf die pensionierte Geschichtslehrerin Sibylle Kühne-Franken über, deren Engagement und Fachwissen wesentlich dazu beitrugen, die Bedeutung der Vereinsarbeit noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben. Verschiedene Auszeichnungen unterstreichen die Anerkennung der Arbeit von Sibylle Kühne-Franken auch im politischen Raum. Ein wesentlicher Schwerpunkt in ihrer Ägide war ebenso die neue Dauerausstellung. Die Sicherstellung der Finanzierung dieser neuen Ausstellung war ein weiteres bedeutsames Merkmal der Leitungsarbeit von Sibylle Kühne-Franken, die im Juni 2026 auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Zu ihrem Nachfolger wurde der ehemalige Ratsherr der Grünen, Thorsten Hansen, gewählt, der seit diesem Zeitpunkt den Verein leitet.                                      

Aktivitäten und Initiativen

Der wesentliche Zweck der Vereinsarbeit war und ist, die Forschungsarbeit an den Erscheinungsformen und zeitübergreifenden Wirkungen des Nationalsozialismus in Krefeld und der Region, sowie deren Vermittlung, zu unterstützen. Aus diesem Ansatz entstanden von Beginn an zahlreiche Aktivitäten.

Restaurierung der Campendonk-Fresken
Schon unmittelbar nach der Gründung ergab sich die Notwendigkeit, die Maßnahmen zur Restaurierung der Campendonk-Fresken in der Villa Merländer sowohl ideell als auch organisatorisch und finanziell zu unterstützen. Der nachhaltige Einsatz des Vereins für die Umsetzung der Restaurierungsmaßnahmen und die Bereitschaft, sich durch Spenden an den Kosten zu beteiligen, machten die Umsetzung des Projektes dann möglich.

Unterstützung und Förderung von Veranstaltungen 
Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit war von Anfang an auch die ehrenamtliche Unterstützung der damaligen Leiterin der Dokumentationsstelle, Dr. Ingrid Schupetta, bei abendlichen und sonntäglichen Veranstaltungen. Vorträge von Zeitzeugen, Lesungen, z.B. 2003 zum Gedenken an die Bücherverbrennungen im Jahr 1933, Ausstellungen, Kabarett-Veranstaltungen wie 1995 in der Gesamtschule Kaiserplatz, wurden mitorganisiert und finanziert.

Unterstützung und Förderung von Publikationen
Auch die Veröffentlichung wesentlicher Publikationen, wie z.B. der Texte von Aurel Billstein, konnte mit finanzieller Unterstützung des Vereins erfolgen.  Jüdische Familien, die aus Krefeld emigrieren konnten, wurden bei Besuchen in ihrer Heimatstadt von Vorstandsmitgliedern und Ehrenamtlern des Vereins begleitet und unterstützt.

Bereitstellung von Mitteln für die Arbeit der NS-Dokumentationsstelle
Über die Jahre sorgte der Verein somit immer wieder für die Bereitstellung von Mitteln, die aus dem städtischen Etat nicht aufzubringen waren, insbesondere für zusätzliches, unterstützendes Personal, technische Ausstattung, einzelne Projekte und die bunte Mischung des Veranstaltungsprogramms. Der Leitgedanke bei allen Veranstaltungen war dabei immer die Auseinandersetzung mit der Verfolgung und Unterdrückung Andersdenkender sowie die eindeutige Positionierung gegen Gewalt, gegen Diktatur und gegen Rassismus. Die aktuelle Veranstaltungsreihe zu Extremismusphänomenen, die mit dem Übergang der Geschäftsführung auf die Historikerin Sandra Franz im Juli 2018 entstanden ist, greift diesen Leitgedanken in besonderer Weise auf.

Kooperation mit Schulen
Ein ebenso hervorzuhebendes Arbeitsfeld des Vereins Villa Merländer ist die Bildungsarbeit. Die NS-Dokumentationsstelle führt feste Kooperation mit der Mehrzahl der weiterführenden Krefelder Schulen. Im Sinne des oben genannten Leitgedankens unterstützt der Verein die Bildungsarbeit dieser Schulen und ermöglicht Lerngruppen Führungen und die Teilnahme an Informations- und Diskussionsveranstaltungen.

Im Wechsel gestalten Schulen Gedenkveranstaltungen, so am 27. Januar eines jeden Jahres anlässlich der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau. Seit 2004 kooperieren Schulen im Zusammenhang mit der Verlegung von „Stolpersteinen“, mit denen stadtweit an die Schicksale Krefelder Juden, ebenso wie an die Verfolgung homosexueller, politisch verfolgter Menschen, Zeugen Jehovas, als „asozial“ verfolgte Menschen und anderer diskriminierter Gruppen erinnert wird. Aus dieser Kooperation sind im Laufe der Jahre feste Patenschaften mehrerer Schulen für die mittlerweile im gesamten Stadtgebiet verlegten Steine geworden. Die etablierte Umsetzung des Stolperstein Projektes ist besonders dem Engagement von Sibylle Kühne-Franken zuzuordnen.    

Heute

Der Verein Villa Merländer e.V. hat heute (Stand August 2026) 392 Mitglieder. Die enge Verknüpfung der Vereinsmitglieder mit der Krefelder Politik, Kultur und Bürgerschaft erlaubte von Beginn an bis heute eine lebendige und aktive Unterstützung der NS-Dokumentations- und Forschungsarbeit. Die seit einigen Jahren zu beobachtende Abkehr von Teilen der Politik und Öffentlichkeit von demokratischen Grundprinzipien macht die gemeinsame Arbeit von Dokumentationsstelle und Verein umso notwendiger und aktueller.

Die Unterstützung wissenschaftlicher Forschung, die Finanzierung von Bildungsarbeit mit Krefelder Schulen, lebendige, gegenwartsbezogene Veranstaltungen und transparente Öffentlichkeitsarbeit prägen daher auch weiterhin die Vereinsarbeit und laden zu gesellschaftspolitischem Engagement ein.  

Die in weiten Teilen der Gesellschaft aktuell zu beobachtende Missachtung der Demokratie macht das Einstehen für Meinungsfreiheit, gegenseitigen Respekt, Toleranz und die Achtung der Würde eines jeden Menschen unerlässlich.      

Spendenkonto:
Villa Merländer e.V.
IBAN: DE 76 3205 0000 0000 3438 06
Sparkasse Krefeld / BIC: SPKRDE33XXX

Auf einen Blick

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