Entstehung und Selbverständnis
Nach langen Debatten um das Wo und Wie eines Gedenkortes, an dem der Opfer der NS-Diktatur aber auch des Widerstands dagegen erinnert werden sollte, wurde am 24. November 1991 die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, damals noch NS-Dokumentations- und Begegnungszentrum, in der Friedrich-Ebert-Straße 42 eröffnet.
Entscheidend für die Ortswahl war die Doppelgeschichte des Hauses: Einerseits enthielt es die einzigen erhaltenen Wandbilder des von den Nazis verfemten Künstlers Heinrich Campendonk, andererseits war es einst das Wohnhaus des von den Nazis ermordeten, als jüdisch verfolgten Richard Merländer. Obwohl eine grundsätzliche Übereinstimmung zwischen allen Parteien über die Notwendigkeit bestand, einen städtischen Gedenkort einzurichten, gab es um die Institution in der am Ende beschlossenen Form doch harte politische Kontroversen. Auch die Eingliederung der Dokumentationsstelle in die Räume des Stadtarchivs wurde seinerzeit als Alternative intensiv diskutiert. Die nach endgültigem Beschluss anfänglich sowohl personell als auch finanziell geringe Ausstattung der Dokumentationsstelle ließ deshalb schon sehr früh bei führenden Persönlichkeiten in Krefeld Überlegungen entstehen, einen Förderverein zu gründen, der die Dokumentations- und Aufklärungsarbeit in der Villa Merländer mit Rat und Tat unterstützen sollte.
Vereinsgründung nur wenige Monate nach der Eröffnung der NS-Dokumentationsstelle
Am 14.03.1992 erfolgte dann auch die Vereinsgründung. Neben der zentralen Aufgabe, die Arbeit der Dokumentationsstelle zu unterstützen, war es immer auch ein wesentliches Anliegen des Vereins, in seinen Gremien und Strukturen bürgerschaftliches Engagement über Parteigrenzen hinweg abzubilden. So sollten insbesondere im Vorstand Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Gewerkschaften und Verwaltung vertreten sein. Zur ersten Vorsitzenden wurde von den Gründungsmitgliedern die damalige Bürgermeisterin Rita Thies (Bündnis90/ Die Grünen) gewählt, stellvertretende Vorsitzende wurde Ratsfrau Gerda Schnell (SPD). Ebenfalls in den Vorstand gewählt wurden der Leiter des Stadtarchivs, Paul Günter Schulte, und der Mediziner Dr.Stefan tho Pesch. Auch zu den Gründungs- und Vorstandsmitgliedern gehörte Rudolf Pilger, der heute gemeinsam mit Wilma und Herbert Campendonk, Aurel Billstein, Dr. Eugen Gerritz, Götz Waninger, Gerda Schnell und Annemarie Vössing zu den Ehrenmitgliedern des Vereins zählt.
Gründung des Kuratoriums
Um den Gedanken einer bürgerschaftlichen Verankerung des Vereins noch weiter zu unterstützen, kam es in der Folge zur Gründung eines Kuratoriums, in dem führende Vertreterinnen und Vertreter der Krefelder Stadtgesellschaft ihr Engagement bekundeten.
Diese Vorsitzenden prägten den Verein
Die erste Vereinsvorsitzende Rita Thies wurde 1999 durch den Ratsherrn und kulturpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dr. Eugen Gerritz abgelöst, unter dessen Ägide u.a. der „Merländer-Brief“ entstand, ein Informationsbrief, mit dem die Aktivitäten des Vereins in die Bürgerschaft kommuniziert wurden und der bis heute ein wichtiges Medium der Vereinsarbeit ist. Als Dr. Gerritz 2005 den Vorsitz niederlegte, hatte der Verein schon 180 Mitglieder. Diese positive Entwicklung setzte sich auch unter seinen Nachfolgerinnen fort. Von 2005 bis 2014 führte die langjährige Bürgermeisterin Mechthild Staudenmeier den Verein, ihr folgte bis 2020 die Ratsfrau Barbara Behr, die ihrerseits wichtige Akzente in der Vereinsarbeit setzten. Im August 2020 ging der Vorsitz dann auf die pensionierte Geschichtslehrerin Sibylle Kühne-Franken über, deren Engagement und Fachwissen wesentlich dazu beitrugen, die Bedeutung der Vereinsarbeit noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben. Verschiedene Auszeichnungen unterstreichen die Anerkennung der Arbeit von Sibylle Kühne-Franken auch im politischen Raum. Ein wesentlicher Schwerpunkt in ihrer Ägide war ebenso die neue Dauerausstellung. Die Sicherstellung der Finanzierung dieser neuen Ausstellung war ein weiteres bedeutsames Merkmal der Leitungsarbeit von Sibylle Kühne-Franken, die im Juni 2026 auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Zu ihrem Nachfolger wurde der ehemalige Ratsherr der Grünen, Thorsten Hansen, gewählt, der seit diesem Zeitpunkt den Verein leitet.