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Die ausgestellte Hose ist Teil der Uniform der Hitlerjugend und damit eines Erscheinungsbildes, das für viele Jungen und junge Männer zum Alltag im Nationalsozialismus gehörte. Als Jugendorganisation der NSDAP sollte die Hitlerjugend Kinder und Jugendliche früh an die nationalsozialistische Ideologie heranführen und auf ihre spätere Rolle in der Gesellschaft vorbereiten. Sport, Fahrten, Lager und politische Schulungen gehörten ebenso zum Programm wie vormilitärische Ausbildung. Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend von 1936 erhob das NS-Regime den Anspruch, die gesamte deutsche Jugend zu erfassen.
Die Uniform machte diese Zugehörigkeit nach außen sichtbar. Für Jugendliche konnte Kleidung aber auch eine Möglichkeit sein, sich einer eigenen Gruppe zugehörig zu fühlen und sich von anderen abzugrenzen. Neben der HJ trafen sich Cliquen, deren Mitglieder eigene Kluften trugen, gemeinsam auf Fahrt gingen oder in der Öffentlichkeit musizierten. Manche schwänzten HJ-Veranstaltungen oder versuchten, sich der HJ ganz zu entziehen. Die Gruppen waren teilweise gemischtgeschlechtlich unterwegs und widersprachen damit der strikten Trennung von Jungen und Mädchen in HJ und BDM. Was heute wie gewöhnliche Freizeitgestaltung erscheint, konnte unter den Bedingungen der NS-Diktatur zum Anlass für Verfolgung werden.
Auch in Krefeld bildeten sich solche Gruppen. Zu ihnen gehörten die Kittelbachpiraten, Cliquen vom Schinkenplatz und der Kornstraße sowie Edelweiß- und Totenkopfedelweißpiraten. Ihre Kluften und Abzeichen unterschieden sie auch äußerlich von der Hitlerjugend. Diese Kleidung geriet dabei ins Visier der Behörden. Die Jugendlichen wurden unter anderem wegen „bündischer Betätigung“ verfolgt, und auch ihre selbstgewählten Kluften konnten ihnen zum Vorwurf gemacht werden. Zwischen den Gruppen und der Hitlerjugend kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, die teilweise auch gewaltsam ausgetragen wurden.
Dabei ging es nicht bei allen Jugendlichen um politischen Widerstand. Manche wollten vor allem mit ihren Freunden zusammen sein, ihre Freizeit selbst bestimmen und sich dem Drill der HJ entziehen. Andere gingen weiter, beteiligten sich an Schlägereien, verbreiteten regimekritische Schriften oder Lieder oder entwickelten eine deutlichere politische Gegnerschaft zum NS-Regime. Die Übergänge waren fließend, und für die Behörden konnte bereits die Abgrenzung von der HJ ausreichen, um einen Jugendlichen zu beobachten und zu verfolgen.
Auf den ersten Blick zeigte die Uniform die Zugehörigkeit zur Hitlerjugend oder einer ihrer Unterorganisationen; manche Jugendliche machten jedoch nur widerwillig mit. Für sie konnte die HJ-Uniform das verkörpern, wovon sie sich beispielsweise mit dem Tragen eigener Kluften abgrenzen wollten. Sie steht damit für den Anspruch eines Regimes, das mit Zwang und Strafen bestimmen wollte, wie junge Menschen ihre Freizeit verbringen, aussehen, zu wem sie gehören und wer sie sein sollten.



