Wann

08/12/2022    
19:30 - 21:30

Wo

Villa Merländer
Friedrich-Ebert-Straße 42, Krefeld, NRW, 47799

Veranstaltungstyp

Karte nicht verfügbar

Der Eintritt ist frei, das Haus freut sich über Spenden. Um Voranmeldung unter ns-doku@krefeld.de wird gebeten.

Kinderland ist abgebrannt
Ein Dokumentarfilm von Sibylle Tiedemann und Ute Badura
90 Minuten, Farbe und s/w, © 1997
Nominierung Deutscher Filmpreis 1998,
Dokumentarfilmpreis der Stadt Potsdam 1998, Nominierung Adolf Grimme Preis 2000, Prädikat ‘besonders wertvoll’

Zwölf Frauen erinnern sich Ende der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts an ihre Kindheit und gemeinsame Schulzeit in den Dreißiger Jahren. Sie lebten damals in Ulm, der Stadt, in der auch die Schollgeschwister aufwuchsen. Bevor die Nazis im Jahr 1933 zur Macht kamen, spielte es keine Rolle, wer jüdischen oder christlichen Glaubens war und welche politische Richtung die Eltern vertraten. Das änderte sich danach gründlich. Die meisten christlichen Mädchen wurden aufgesogen von der Hitlerjugend, die mit Uniformen, Aufmärschen, Liedern, Fahrten, Diensteinsätzen den Alltag und bald auch die Herzen besetzte. Die jüdischen Mitschülerinnen wurden zu Fremden, zu „Feinden der Volksgemeinschaft“. Eine Begegnung zwischen den jüdischen und den christlichen Schulfreundinnen ist heute möglich.
Nach 60 Jahren treffen sich einige der damaligen Schülerinnen zum „Klassentreffen“ wieder. Der Film läßt sich und seinen Protagonistinnen Zeit. Langsam und geduldig, ohne kommentierenden Begleittext, setzen sich die Erinnerungen zu einem vielschichtigen und eindringlichen Bild dieser Frauengeneration zusammen, unterstützt von Amateurfilmmaterial und persönlichen Dokumenten, die veranschaulichen, Gegensätze schaffen, das Erinnerte in ungewohnte und beunruhigende Nähe rücken. Die trennenden Erfahrungen, die unterschiedlichen Schicksale und Lebenswege werden spürbar, ebenso die Notwendigkeit und das Bedürfnis, die Erinnerung in Gesprächen wieder wachzurufen. Für die einen hat es ein Kinderland in Ulm nach 1933 nicht mehr gegeben, für die anderen verliert es im Rückblick eine Unschuld, die es nie besessen hat.

 

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