
2025 muss die Villa Merländer wegen Umbauarbeiten für einige Monate schließen. Ab sofort ist das Haus für den Besuchsverkehr nicht zugänglich. Über den Termin der Neueröffnung informieren wir zeitnah.

Die Krefelder FDP hat in diesem Jahr stellvertretend für den Villa Merländer-Verein die Vorsitzende Sibylle Kühne-Franken mit dem „Preis für bürgerschaftliche Civilcourage 2026″ ausgezeichnet. In seiner Rede zur Auszeichnung würdigte Joachim C. Heitmann als Vorsitzender der Krefelder FDP die Arbeit des Vereins in besonderem Maße und wies gleichzeitig auf die gefährliche weltpolitische Lage hin: „„Nicht nur in Russland und in China sind die Staatsführungen überzeugt, dass das Modell der liberalen Demokratie nach westlichem Muster keine Zukunft hat. Auch der jetzige Präsident der Vereinigten Staaten kann wenig dem Demokratieverständnis der Westeuropäer abgewinnen. In Europa, und insbesondere in Ungarn und in der Türkei, ist die liberale Demokratie auf dem Rückzug. Das wiedervereinigte Deutschland ist keine Insel der Glückseligen. Entsprechende politische Strömungen spürt man nicht nur im Bundestag, sondern auch im Stadtrat, wo der Zeitgeist eine rechtsnationalistische Partei zur stärksten Oppositionsfraktion macht. Eine Partei, die offen mit autoritären Regimen sympathisiert. Eine Partei, die die liberale Demokratie nach westlichem Muster verachtet. Eine Verachtung, die wegen des fehlenden Widerstandes bürgerlicher Parteien zum Ende der ersten Demokratie in Deutschland, der Weimarer Republik, führt.“

Sibylle Kühne-Franke thematisierte in ihrer Rede die steigende Herausforderung der Vereinsarbeit:
„Lieber Herr Heitmann,
wir haben uns darüber unterhalten, ob und wie der schleichende Prozess der Auflösung der in der Weimarer Verfassung verankerten demokratischen Strukturen zu bemerken gewesen wäre und von wem? Warum der Weg in den Faschismus nicht aufgehalten wurde?
Diese Frage ist heute wissenschaftlich fundiert untersucht.
Aber mit Ihrer Frage ist heute völlig zu Recht die Sorge verknüpft, ob wir die radikalen Prozesse, die wir alltäglich erleben, richtig einordnen, ihnen adäquat begegnen. Oder verharren wir im Erschrecken darüber, weil wir uns lange nicht vorstellen konnten, dass eine rechtsextreme Partei in der BRD wieder so einflussreich sein könnte, dass sie echte Chancen hat unser demokratischen System auszuhöhlen!? Und das, obwohl im Grundgesetz unsere Demokratie als eine wehrhafte definiert ist!
Ich kann Ihnen versichern, wir im Verein und die Mitarbeiter der NS-Dok werden nicht tatenlos zusehen. Es treibt uns um, z.B. in der Arbeit an den Kooperationsschulen (ein Beispiel für die pädagogische Arbeit!) den richtigen didaktischen Weg zu finden, um der sehr heterogenen Schülerschaft die großen Vorzüge unseres freiheitlichen, demokratischen, solidarischen Landes deutlich zu machen.
Und zu erklären, dass der Schutz dieser Privilegien aktive Bürger und Bürgerinnen benötigt.
Natürlich ist es schwierig, wenn man 15 oder 17 ist – und nicht nur dann! – vom Verstehen ins Handeln zu kommen.
Das wissen wir im Verein und die jungen Mitarbeiter der NS-Dok, die in die Schulen gehen, sehr gut, aber nicht nur die Anfragen für Praktika und Facharbeiten von Oberstufen SuS stimmen ein wenig hoffnungsvoll. Auch die Resonanz aus den Schulen! Die ja regelmäßig jedes Jahr die Gedenkfeier am 27. Januar mit Hilfe der HistorikerInnen der NS-Dok gestalten.
Ausserdem das positive Feedback nach Besuchen in der Villa Merländer mit Workshops, die dort speziell für Jugendliche entwickelt worden sind. Die Klick Zahlen auf unserem TikTok Kanal, den eine junge, freiberuflich für uns arbeitende ehemalige Praktikantin, die heute Geschichte studiert, regelmäßig pflegt!
Das sind alles wohldurchdachte Initiativen. Es ist deshalb weiterhin eine zentrale Aufgabe des Vereins, diese wichtige Arbeit finanziell zu sichern, denn der Stellenrahmen der NS-Dok der Stadt Krefeld gibt das nicht her. 2 ¼ Planstellen sind zu wenig! Sie bräuchte dringend eine weitere ganze Stelle mehr.
Die neue, digitale Ausstellung wird sicherlich eine großartige Hilfe bei dieser Arbeit werden, deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir aus der Stadtgesellschaft so große finanzielle Unterstützung für die Erstellung bekamen und hoffentlich auch weiter bekommen werden, denn sie muss gepflegt und aktualisiert werden.
Wie Sie der Homepage des Vereins entnehmen können, bemühen wir uns, für alle Bürger unserer Stadt Angebote zu machen, sich in der Villa Merländer und auch außerhalb im Gespräch auseinanderzusetzen. Da wir wissen, dass wir ein möglichst breites Publikum erreichen wollen und müssen, verlassen wir des Öfteren unser Haus. Gehen in die Hochschule Niederrhein, in die VHS, ins Stadttheater, in die Mediothek usw..
Allerdings werden wir bei unserem Stammpublikum und unserem Themenangebot nur selten auf die folgenden Äusserungen treffen:
„Man kann überhaupt Niemanden mehr wählen“ oder „Da oben sitzen nur noch abgehobene Schwachköpfe, die keine Verbindung mehr zur Basis haben und die sich nur noch selbst die Taschen füllen“ oder „ Seine Meinung darf man nicht mehr sagen, sonst wird man als Rassist abgestempelt“ oder „Die Nachrichten kannst Du Dir nicht mehr ansehen, da wird nur noch berichtet, was die Regierung vorgibt“, Äußerungen, die im Wahlkampf in Brandenburg von meinem Vetter, der dort Pfarrer ist gesammelt wurden als er Gespräche suchte.
Aber die können auch hier fallen.
Gerade dieses Publikum müssen wir erreichen!
Der nächste Landtagswahlkampf kommt bald!
Auch wir waren in unserer letzten Vorstandssitzung ratlos, und wir haben kein Patentrezept parat, doch wir sind uns einig: Wir werden und müssen uns dieser Aufgabe stellen.
Deshalb werden wir im Frühjahr – nach der Ausstellungseröffnung – in Workshops unsere eigene Rhetorik weiter ausbilden, damit wir in Gesprächen ruhige, sachlich fundierte Auseinandersetzungen besser führen können, ohne die Gesprächspartner zu beschämen oder plump zu belehren.
Des Weiteren ist in der Reihe „Montags Impulse“ eine Vortrags- und Diskussionsreihe zum Thema „Demokratie – Bewahren“ in Arbeit, die erfahrungsgemäß Personen aller Altersklassen anspricht. Die wir auch andernorts anbieten können. Dazu werden Fachleute eingeladen werden.
Und wir machen uns selbstverständlich schon seit Längerem Gedanken, wie wir als Gedenkstätte – und das machen alle Gedenkstätten in der BRD – mit den Bedrohungen von Rechts umgehen. Gott sei Dank ist unser Stolperstein – Projekt und das Gebäude bisher nicht in Gefahr.
Die wissenschaftliche Hintergrundarbeit all unserer gemeinsamen Aktivitäten leisten die jungen HistorikerInnen der NS-Dok. Doch unsere gemeinsamen Ziele sind aufs Engste verknüpft, das ist eine Besonderheit dieses Vereins, die die Gründungsväter und -mütter uns in die Statuten geschrieben haben, und das soll auch so bleiben.
Ich glaube. ich spreche für viele, die sich im Förderverein und vor allem im Vorstand der Villa Merländer engagieren, wenn ich sage: „Ich bin sehr froh, dass ich diese sinnstiftende Ehrenamtsarbeit leisten kann!“



















2025 muss die Villa Merländer wegen Umbauarbeiten für einige Monate schließen. Ab sofort ist das Haus für den Besuchsverkehr nicht zugänglich. Über den Termin der Neueröffnung informieren wir zeitnah. Mehr Infos zur neuen Ausstellung gibt es hier.