Villa Merländer-Verein ruft zum 9. November zum Stolperstein-Putzen auf

Zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht lädt der Verein alle Krefelderinnen und Krefelder ein, Stolpersteine zu reinigen und damit ein Zeichen gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus zu setzen.

Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 markiert einen Wendepunkt in der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten. In dieser Nacht wurden überall in Deutschland Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte zerstört und Tausende Jüdinnen und Juden misshandelt, verhaftet oder ermordet. Die Gewalt markierte eine weitere Eskalation der nationalsozialistischen Verfolgung und ebnete den Weg zum Holocaust.

Anlässlich des Gedenktages ruft der Villa Merländer-Verein auch in diesem Jahr dazu auf, die Stolpersteine in Krefeld zu reinigen. Inzwischen werden sämtliche Stolpersteine in der Stadt von ehrenamtlichen Putzpatinnen und Putzpaten betreut. Auch zahlreiche Schulen beteiligen sich. „Wir laden alle dazu ein, durch das Reinigen der Steine der Schicksale der Menschen zu gedenken, an die sie erinnern“, sagt Heike Otto-Lauscher, Vorstandsmitglied des Vereins und Koordinatorin der Putzpatenschaften in Krefeld. „Wir zollen den Opfern Respekt und halten ihre Erinnerung wach. Zugleich setzen wir damit ein klares Zeichen gegen Antisemitismus.“

Inzwischen erinnern 276 Stolpersteine in Krefeld an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie stehen für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen verfolgt und ermordet wurden: Jüdinnen und Juden sowie Zeugen Jehovas, politisch Verfolgte wie Kommunisten und Sozialdemokraten, Sinti und Roma, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Menschen, die aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt wurden. Im vergangenen Jahr wurde in Krefeld zudem weltweit der erste Stolperstein für eine Frau verlegt, die während der NS-Zeit zur Prostitution gezwungen worden war.

„Der Künstler Gunter Demnig initiierte das Stolperstein-Projekt 1996 in Köln, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen“, erklärt Thorsten Hansen, Vorstandsvorsitzender des Villa Merländer-Vereins. „Heute sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt.“ Inzwischen liegen sie in ganz Deutschland und in zahlreichen weiteren europäischen Ländern. In Krefeld wurde 2005 der erste Stolperstein verlegt, seither kommen regelmäßig neue hinzu.

Die Verlegungen werden in Krefeld von der NS-Dokumentationsstelle der Stadt begleitet und durch den Villa Merländer-Verein als Fördergeber unterstützt. Häufig beteiligen sich auch Schulen: Schülerinnen und Schüler recherchieren die Biografien der Verfolgten und stellen deren Lebensgeschichten bei den Verlegungen vor. „So wird Gedenken lebendig“, sagt Thorsten Hansen.

Auch wenn die Stolpersteine in Krefeld inzwischen flächendeckend durch Putzpatenschaften betreut werden, richtet sich der Aufruf ausdrücklich an alle Bürgerinnen und Bürger. „Das Reinigen der Steine ist nicht nur am 9. November sinnvoll, sondern das ganze Jahr über möglich. Es ist eine einfache, aber wichtige Geste des Erinnerns“, betont Heike Otto-Lauscher. Die Steine ließen sich zum Beispiel mit einem Gemisch aus Essig und Salz-Wasser wieder zum Glänzen bringen.

Das gibt es sonst noch Neues in der Villa Merländer: